Hinter geschlossenen Türen (Heidenheimer Zeitung – 30.06.2016)

„Kleiner Kusskurs kurz und komisch“

Flotte Inszenierung mit viel Liebe zum Detail im Sasse-Theater

Die Nationalspieler bei der Europameisterschaft am Ball, Aufführungen der Jungen Oper und des Naturtheaters, das Wochenende ohnehin vollgepackt mit kulturellen Veranstaltungen: Da nahm es das junge Ensemble des Sasse-Theaters nicht ganz so schwer, vor ausgedünnten Reihen mit „Hinter geschlossenen Türen‘‘ an den Start zu gehen. Um sich einmal beim Text des Stücks von Eckard Lück zu bedienen: Was geht ab? Gezeigt wird der Verlauf einer Schulwoche, wenn auch aus einer ganz anderen Sicht. Gespielt wird nämlich ausschließlich am Waschbecken eines gewissen Örtchens, an dem sich im weitesten Sinne alles um das pikante Thema „Liebe" und damit um das andere, wesentlich interessantere Geschlecht dreht.

Wie mache ich auf mich aufmerksam? Eher mit „coolen" oder doch lieber „abgefahrenen" Klamotten? Die Bitte um ein erstes „Date"- wird sie mit Smartphone oder besser doch auf schnödem Papier verschickt? Und wie geht das überhaupt mit den Zärtlichkeiten? Kurze Kussanleitung: ,,Mund auf, Lippen befeuchten, Lippen spitzen, Augen schließen, näherkommen, Zunge raus! Iiiiih!" Der Schrei des Ekels gehört zwar nicht zur Vorgehensweise, dafür aber zu den erheiternden Momenten, die die Inszenierung in sich trägt.

Selbstbewusst hat Lara Wöhler das Stück von Eckard Lück um und zwei Rollen für männliche Darsteller hinzugeschrieben. Dies so gekonnt, dass die Mogelpackung nicht weiter auffällt. Julian Hammer ist als „Super-Jonas" zwar der, der die Weiber abräumt, Raffaele Incarnato (Max, Sven) für sein Spiel den Applaus und die Lacher. In der fünfköpfigen Damenriege stechen Anja Junginger (Sabine/Monika) und Mareike Lenhardt (sie schlüpft in drei Rollen) durch ihr natürliches Spiel heraus. Jana Poxleimer (Ela/Tanja/ Roswitha), Sara Andic (Carola/ Jasmin) und Rosa Beinemann (Angie/Nadja) erweisen sich als ebenso spielfreudig.

Viel Wert wurde bei der Inszenierung auf die Details gelegt. Das fängt im mit wenigen Mitteln erstellten Bühnenbild an, setzt sich in Maske und Kostümen fort, wenn auch bei den Accessoires nicht konsequent durchgewechselt wird, gipfelt in den Einfällen bei Requisite und bei Licht- und Tontechnik. Bei der Premiere war der Applaus fürs Regieteam (Jaqueline Lechner, Jannis von Ohlen und Lara Wöhler) entsprechend begeistert und verdient.

,,Hinter geschlossenen Türen" wurde zwar als „neues Jugendstück der Sasse" propagiert, ist aber durchaus eines für alle, die einmal jung waren, pubertär - und sich daran tatsächlich auch noch gerne erinnern.

Siglinde Broich-Bernt

 

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