Das Haus der zwei Schwestern (Heidenheimer Zeitung / HNP – 29.01.2013)

Mörderisch gute Party

Uraufführung im Sasse-Theater: Jugendstück "Haus der zwei Schwestern" überzeugt mit Witz und Spannung

Tanzen in der Disco, feiern im Club, abhängen zu Hause? Alles langweilig! Alles öde! Aber ein leerstehendes Haus, in dem vor Jahren ein (bis heute ungeklärter) Mord geschehen ist? Das eignet sich doch schon eher als Ort für eine ausgefallene Party unter Jugendlichen.

Und nicht nur das: Auch für einen spannenden Theaterabend ist diese Kombination aus Party und Mord bestens geeignet. Den Beweis dafür liefert momentan das Sasse-Theater. Und zwar mit dem Jugendstück „Das Haus der zwei Schwestern“ - vor fast vollem Saal wurde vorgestern Abend die Uraufführung der Kriminalkomödie gefeiert.

Und „gefeiert“ ist in diesem Fall durchaus das richtige Wort, denn die Jugendlichen wurden für ihre Leistung mit reichlich Applaus und lobenden Worten belohnt. Besonders verwunderlich ist das jedoch nicht: Immerhin haben die Jugendlichen stolze zwei Jahre auf diese Vorstellung hingearbeitet. Zusammen mit Theaterpädagogin Regine Czichon und den Regisseuren Markus Beuther und Mathias Zimmermann hat das junge Team monatelang an „Das Haus der zwei Schwestern“ gefeilt. Um die Technik kümmerte sich Tim Strauß. Plot und Dialoge wurden gemeinsam entwickelt.

Dabei haben die Jugendlichen offenbar großen Wert auf Details gelegt, und das kommt der kurzweiligen Kriminalkomödie sehr zugute. Es ist den Darstellern (Marcel Weinrich, Felix, Laura und Lisa Czichon, Christian und Isabell Erfort, Denis Hurler, Sophia Schäffer und Diandra Krüger) gelungen, jedem Einzelnen der neun Charaktere eine derart spezielle überspitzte Persönlichkeit zu verpassen, dass die Zuschauer gar nicht anders konnten, als wiederholt in Lachen auszubrechen.

Unter den Partygästen sind die unterschiedlichsten Extreme zu finden. So gibt es dort etwa eine Teenagerin, die dermaßen großen Wert auf ihr Aussehen legt, dass sie schon allein beim Gedanken an einen Ganzkörperspiegel in Ekstase gerät. Immerzu plappert die Selbstverliebte wild drauf los, schweigt nur dann, wenn die Schminke nachgebessert werden muss. Das komplette Gegenteil dazu verkörpert ein anderer Partygast: Dieser ist nämlich so fromm, dass er sich in dem unheimlichen Haus sichtlich unwohl fühlt. Erst nachdem er von „besonderen“ Keksen gegessen hat, schafft er es, seine geliebte Bibel aus der Hand zu legen.

Auch die anderen Gäste sind jeder für sich sehr speziell. So verwundert es nicht, dass die Party zu Anfang nicht so recht in Schwung kommen will. Erst als immer mehr Beweise für den Jahre zurückliegenden Mordfall auftauchen ziehen die Jugendlichen an einem Strang. Gemeinsam überlegen sie, wer für den Mord an der jungen Frau verantwortlich sein könnte, die einst mit ihren Eltern und ihrer Schwester in dem Haus gelebt hat, in dem die Jugendlichen nun ihre Party feiern. War es vielleicht der Freund des Opfers? Die Eltern? Oder doch die Schwester? Und was war überhaupt der Grund für den Mord?

Fragen über Fragen – während die Jugendlichen über die Gründe für diese schon lange zurückliegende Tragödie rätseln, werden auch die Zuschauer immer wieder in die Vergangenheit entführt Und hier zeigt sich erneut der Ideenreichtum der jungen Schauspieltruppe. Denn die Zeugenvernehmungen, die die Polizei kurz nach dem Mord vorgenommen hat, werden dem Publikum als Filmaufnahmen auf einer Leinwand präsentiert. Dadurch gelingt es dem Team nicht nur, das Theaterstück auf zwei Ebenen darzustellen. Die Kurzfilme, aufgenommen von Lena Czichon, bieten auch die Möglichkeit, weitere Charaktere in die Geschichte einzuflechten – und die sorgen nochmal für extra Lacher im Publikum. Denn die Ermittlungsarbeit der beiden Polizisten ist derart absurd, dass es schon bald niemanden mehr wunder, dass der Mord nie aufgeklärt wurde.

Ganz im Gegensatz zu den Polizisten, kommen die jugendlichen Partygäste der Lösung des Mordfalls immer näher. „Der Mörder ist noch unter uns“, lautet schließlich die wenig überraschende Erkenntnis. Spannend bleibt es aber trotzdem bis zum Schluss, denn da gelingt es den Darstellern noch einmal, das Publikum zu überraschen.Wie? Das schaut man sich am besten selbst an. „Das Haus der zwei Schwestern“ wird noch am Freitag, 8. Februar, sowie am Samstag, 16. Februar, und Sonntag, 17. Februar, ausgeführt.

Laura Strahl

 

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