Zwei wie Bonnie und Clyde (Heidenheimer Zeitung – 19.03.2013)

Kriminell komische Komödie in der Kaleppstraße

"Zwei wie Bonnie & Clyde" überzeugen auf der Bühne des Sasse-Theaters in Schnaitheim

Das Sasse-Theater in Schnaitheim hat wieder einmal auf Komödie gesetzt. Und daran gut getan. Um es gleich vorwegzunehmen: Beim Schlussapplaus trampelte bei der Premiere am Samstag das begeisterte Publikum mit den Füßen und zollte sowohl den beiden Darstellern als auch der Regie allerhöchsten Respekt.

Voraussichtlich noch achtmal treten Birgit Seidenleder und Robert Makowitzki an den Wochenenden an, um fast sämtliche Klischees zu bedienen, die man mit einem Macho und einem Barbiegirl gerne in Verbindung bringt.

Bonnie und Clyde aber, das sind zunächst einmal die beiden Texaner Bonnie Elizabeth Parker und Clyde Chestnut Barrow, die während der Weltwirtschaftskrise durch den mittleren Westen der USA streiften, um Geschäfte, Läden und Banken auszurauben. Zimperlich waren sie dabei nicht, mordeten skrupellos und wurden im Mai 1934 am Black Lake in Louisiana von Polizeibeamten erschossen.

Gut 30 Jahre später sorgten Warren Beatty und Fayne Dunaway mit dem Drama „Bonnie and Clyde“ dafür, dass die Geschichte des Gangsterpaares weltweit bekannt wurde, und kein geringerer als der Franzose Serge Gainsbourg schreib den gleichnamigen Ohrwurm, zu dem er sich für das Duett das Sex-Idol der 60er-Jahre Brigitte Bardot an die Seite holte.

Und noch ein Duo. „Zwei wie Bonnie und Clyde“ stammt aus der Feder von Tom Müller und Sabine Misiomy. Das Ehepaar hat sich auf Zwei-Personen-Komödien spezialisiert. Beide haben ihre Karriere als Schauspieler begonnen.

Last but not least sind da Manni und Chantal, die vom großen Geld träumen. Und ihren Lebensabend in Südamerika verbringen wollen. Während Macho Manni sich damit begnügen würde, schwärmt die chaotische Chantal von einer Reise nach „Los Angeles“, einer Heirat in „Las Vegas“. Das A und O sind ihr dabei nicht so wichtig, wenn sie auch sonst eine ganz Genaue ist. Mannis Wort gilt, auch wenn er von Depressionen anstatt von Prohibition faselt.

Das Regieduo Christina Kling und Gaby Rieck (Assistenz) hat schon mit der Kostümwahl herrlich überzeichnet. Manni trägt Goldkettchen, zeigt mit seinem T-Shirt, dass er ein echter Kerl ist, Chantal mag vordergründig blöd sein, ist aber nicht blond. Bein zeigt sie, Busen zeigt sie und lässt tief blicken, häufig genug in ihrer naiven Seele.

So folgt sie ihrem Manni sozusagen blind und damit in ein Schuhlager, ist mal Heilige, mal Hure, kocht pausenlos „Käffchen“, kann nicht rechts von links unterscheiden, keine Straßenkarten lesen, muss in entscheidenden Momenten schnell nochmal Pipi. Bei allen Schwächen kann Chantal treuherzig zugeben: „Hab' ich vergessen.“ Ihr Fazit: „Ich bin doch nicht blöd“, glaubt Möchtegern-Gangster Manni in keiner Sekunde, hat aber die Rechnung ohne Chantal gemacht.

Der verhinderte Clyde entpuppt sich im Laufe der Zeit auch nicht gerade als Leuchte, lässt gerne mal die Muskeln spielen und seine (Barbie)Puppe tanzen.

Mag auch – seiner Meinung nach – in Chantals Kopf „das totale Vakuum“ herrschen, brennt ihm mehr als einmal die Sicherung durch. Die Geschichte der zwei die wie Bonnie und Clyde sein wollten , endet mit der Moral: Ehrlich währt am längsten.

Geschrien hat das weibliche Publikum nicht gleich vor Glück, als sich nach der Auftaktmusik (erwartungsgemäß war es der Swing „Bonnie & Clyde“), der Vorhang öffnete, trotzdem hat Bühnenbildner Peter Ruoff mit seinem maroden Schuhlager wieder ganze Arbeit geleistet. Auf der mit viel Liebe zum Detail ausgestatteten Räumlichkeit nahmen die Protagonisten flott Fahrt auf und führten mit hohem Tempo in die Pause.

Der erfahrene Amateurschauspieler Robert Makowitzki (Manni) zeigte vor allem in den leisen Tönen, welches Potential an Mimik und Komik in ihm steckt, spielte souverän und gestenreich. Birgit Seidenleder ist schlichtweg köstlich, wunderbar, schrill und facettenreich. Die Regie hat damit ein Paar gefunden, dem man attestieren darf: kriminell komisch.

Siglinde Broich-Bernt

 

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