Harry & Sally (Heidenheimer Zeitung / HNP – 18.02.2014)

Ganz New York träumt von der Liebe

Romantische Komödie „Harry und Sally“ im Amateurtheater Sasse gestartet – Gewagtes Spiel

Bis Mitte April ist das Ensemble des Sasse-Theaters gefordert. 18mal spielen die Amateure demnach noch die romantische Komödie „Harry und Sally“. Hoffentlich vor ausverkauften Haus.

Verdient hätte das Team den Ansturm auf die knapp 100 Plätze fassende Scheune, die in den vergangenen Jahren umfassend modernisiert wurde, dadurch aber leider ordentlich vom Charme des Urigen einbüßte. Die Premiere jedenfalls war ausverkauft.

Spielleiter Ulf Koepsel ist einer, der neue Herausforderungen sucht, und so verzichtet er diesmal auf das traditionelle Bühnenbild, setzt dafür auf neue Technik. Bieten kann er damit über ein Dutzend Hintergrundmotive, auf die man von Szene zu Szene neugierig wartet, dafür aber einen schon fast nervenden, weil zeitaufwändigen Umbau in Kauf nehmen muss.

Erfrischend die vielen neuen, jungen Gesichter, die der Theaterverein für das Stück an Land ziehen konnte, so die herausragende Kristina Rauer in der Rolle der Mary, Sallys beste Freundin.

Hinzu gesellen sich Angie Brandt und Sarah Schön, die abwechselnd als Helen, Harrys Exfrau, auf der Bühne stehen werden. Da ist Dennis Hassler, der gleich in Doppelfunktion antritt nämlich als Joe und damit Sallys Freund und als Ira, Helens Liebhaber. Relativ neu auch Markus Beuther.

Gewagt Koepsels Entscheidung, die Titelrollen mit zwei Spielern zu besetzen, die im wahren Lebens ein ordentlicher Schatz an Lebenserfahrung trennt. Auf der Bühne ließen dies der junge Benny Hessenauer als Harry Burns und Sabine Reiner als Sally Albright durch ihre Spielqualität über weite Strecken vergessen.

Sollte es tatsächlich jemanden geben, der den Filmklassiker mit den Hollywoodgrößen Billy Crystal und Meg Ryan nicht kennt? Hier eine kurze Inhaltsangabe: Die junge Sally ist nach New York gezogen. Harry, der Jurastudent, verdient sich mit Hilfsjobs ein paar Kröten dazu und streicht Sallys Appartement. Dabei geraten die Beiden in Grundsatzdiskussionen über Liebe, Treue, Moral. Sie werfen dabei die Frage auf: Ist Freundschaft zwischen Mann und Frau überhaupt möglich? Sally behauptet: ja, Harry: nein.

Im Laufe der Jahre begegnen sich die Beiden ab und an zufällig in der Millionenstadt New York. Mal steckt Sally in einer Beziehung, mal Harry. Der Zufall will, dass die Beiden bei einem weiteren Zusammentreffen solo sind. Gebeutelt von gescheiterten Partnerschaften wollen sie nur noch eines sein: gute Freunde. Wer den Erfolgsstreifen kennt, weiß, wie es endet.

Im Stück müssen die Protagonisten binnen zwei Stunden an Reife zulegen. Während es Hessenauer als Student Harry locker angehen kann, überzeugt Sabine Reiners erst so richtig als gereifte Sally. Zu statisch bis zur Pause ihr Spiel, zu groß scheint die Konzentration auf die Aussprache. (Wie großartig kann sie sein, wenn sie schwäbeln darf.)

Benny Hessenauer schwächelt hie und da als gereifter Harry, macht aber durch seine Tanz- und vor allem durch seine phantastische Gesangseinlage kleine Mängel wett. Man darf ihm bei den nächsten Aufführungen ein bisschen mehr Lässigkeit wünschen, wenn szenisch aus dem Studenten der Erfolgsanwalt geworden ist.

Beim Liebesleid und -glück von Harry und Sally gingen die Besucher der Premiere mit, kommentierten spontan, ergötzten sich vor allem an den VideoSequenzen, für die das Regieteam Ulf Koepsel, Christiane von Ohlen und Gaby Rieck viele bekannte Sasse-Gesichter vor die Kamera gelockt hatte. Dazu gehören Ingrid/Ulrich Bossert, Karin/Werner Dittrich, Heidi/Lutz Pfeffer, Erika/ Jakob Welches, Roswitha Klook-Krätschmer/Wolfgang Klook sowie Anna/Uwe Gerstenlauer.

Kurzerhand zu Ehepaaren verdonnert, die allesamt berichten, wie es zur Heirat gekommen ist, wurden Christina Kling/Matthias Zimmermann, Marion Hessenauer/Uwe Weinrich, Peter Hessenauer/Ulf Koepsel sowie Anne-Grete mit Alfons Klingler, der unter den Debütanten und erfahrenen Spielern brillierte.

Ganz ohne Worte kommt übrigens in einer winzigen Nebenrolle Robert Makowitzki aus. Garantiert holt er sich für sein gekonntes Mimikspiel verdienten Szenenapplaus ab. Herausragend im Ensemble Kristina Rauer, die man sich gut als Sally hätte vorstellen können.

Bis zur letzten Aufführung im April geht noch etwas Zeit ins Land. Gute Chance, an den Outfits der Darsteller zu feilen, die Video-Sequenzen, falls das überhaupt technisch möglich ist, während der Umbauten einzuspielen und auf das „G'sund's Neu's“ im nächtlichen New York zu verzichten.

Siglinde Broich-Bernt

 

Zurück