Gespensterjäger auf eisiger Spur (Heidenheimer Zeitung / HNP – 26.11.2013)

Mittelmächtige Gespenster

Premiere im Sasse-Theater

Frau Kümmelsaft rät zu Mozart – am besten Nachtmusik. Das passt gleich doppelt: Denn eine Stunde vor Mitternacht sind Gespenster am schwächsten – bester Zeitpunkt für die Jagd also.

Diesen kleinen Crashkurs in Gespensterkunde erhielten die Zuschauer bei der Premiere von „Gespensterjäger auf eisiger Spur“ in der nicht ganz ausverkauften Sasse am Sonntag. Die Geisterjagd war vor allem geprägt von viel Komik, viel Wortwitz, aber auch sehr launigem Spiel des jungen Sasse-Nachwuchses unter der Regie von Uli und Ingrid Bossert sowie Karin Mateja, die viele Einfälle in die Inszenierung der Geschichte aus der Feder von Cornelia Funke einbrachte.

Die bereits erwähnte Frau Kümmelsaft (sehr frisch gespielt von Anja Junginger) ist Gespensterjägerin, und ihren Rat braucht der kleine Tom (Julian Hammer meisterte seine erste Rolle beachtlich) dringend. Denn in seinem Keller sitzt Hugo, das Gespenst, das von Lucy Potzel sehr schön komisch-gruselig verkörpert wird. Zwar wäre Hugo lieber im grünen Moos bei Mondschein, aber in Toms Keller gibt es wenigstens ein bisschen Moder- und Schimmelgeruch. Das braucht ein Gespenst nun mal zum Leben.

Toms Problem ist aber nicht nur der gruselige Gast, sondern auch seine Familie: Natürlich glaubt ihm keiner, allen voran seine Schwester Lola, gespielt von Leonie Lebeda, die die nötige pubertäre Zickigkeit sehr glaubhaft darstellt. Doch Frau Kümmelsaft weiß Rat. Neben dem Tipp mit Mozart und Friedhofserde hat sie noch viel mehr Wissen parat: Hugo ist ein „MUG“, also ein „Mittelmäßig unheimliches Gespenst“, und die sind sehr viel harmloser als ein „UEG“, also ein „Unheimlich ekelhaftes Gespenst“. Also ist Frau Kümmelsaft mit von der Partie auf der Jagd nach Hugo. Blöd nur, dass dann doch noch ein „UEG“ auftaucht und Schrecken und eisige Kälte verbreitet, nicht nur bei Herrn Lieblich, dem Kekserfinder.

Ein bisschen gruselig für kleine Kinder ist die Inszenierung schon, vor allem, wenn das übergroße „UEG“ auftaucht. Das ist zwar in der Ausstattung schon deutlich auf Komik angelegt mit seinem Gipskopf und den Flatterklamotten, in denen gleich zwei Spieler stecken. Aber das Lachen überwiegt doch deutlich. Es ist einfach ein herrliches Vergnügen, mitanzusehen, wie munter und frisch die jungen Spieler agieren. Dabei muss auch Eva Lebeda hervorgehoben werden: Als Gespensterexpertin klärt sie die Zuschauer immer wieder in witzig-akademischen Präsentationen über die Feinheiten der Gespensterwissenschaft auf, was mit viel Beifall belohnt wurde.

Für Kinder ab dem Schulalter ist diese Inszenierung sehr gut geeignet, zumal die Regisseure es geschafft haben, das Gespenstergeschehen angenehm kurz zu halten. Mit einer Stunde Dauer ohne Pause ist die Konzentration der kleinen Zuschauer nicht über Gebühr beansprucht. Und mag auch die eine oder andere Umbaupause ein wenig lang geraten, das Vergnügen trübt dies keineswegs. Wer also Gespenstern im Keller oder auch nur der Novemberdepression vorbeugen möchte, dem sei diese Inszenierung ans Herz gelegt.

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Marita Kasischke

 

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