In andern Umständen (Heidenheimer Zeitung / HNP – 18.10.2011)

Zwischen Klamauk und Komödie

Gelungene Sasse-Premiere

Ein schöner Schluss ziert ja bekanntlich alles. Und bei der Sasse, da sind es im Stück „In andern Umständen“ gleich mehrere: Schlüsse eben. Wie das? Nun: Immer wenn das Publikum glaubt, man sei am Ende der Inszenierung angelangt, folgt noch eine Szene. Und dann noch eine.

Dass der Zuschauer kaum zum Luft holen kommt, ist zunächst nicht Verdienst des Regieteams Christina Kling und Michael Waibel, das allerdings ein glückliches Händchen bei der Auswahl des Stückes hatte und gut daran tat, sich auf die (zugegebenermaßen) knappen Anweisungen der Autoren Folker Bohnet und Alexander Alexy einzulassen.

Herrliche Ideen haben die beiden Regisseure noch zu Hauf eingebracht, die das Publikum mit dem „Babysitterboogie“, dem Ohrwurm von Ralf Bendix, von Anfang an gleich ordentlich in Stimmung bringen.

„In andern Umständen“ ist ein Stück im Stück und verlangt den drei Protagonisten alles ab. Da ist zunächst einmal Rainer Christian (Christoph Kicherer), der die Geschichte eines Versicherungsangestellten auf die Bühne zu bringen hat, die einen schon allein zum Wahnsinn treiben könnte.

Der Computer hat gemeldet, dass einem Rainer Christian Mutterschaftsgeld zu überweisen ist. Christian ist sich ziemlich sicher, noch nicht einmal Vater zu sein, geschweige denn schwanger.

Alles abstreiten hilft aber nicht. Er muss in Mutterschaftsurlaub, sieht sich mit einer verständnisvollen Nachbarin und einem mitleidlosen Freund konfrontiert, muss sich mit einem penetranten Windelverkäufer und einer sensationslüsternen Journalistin auseinandersetzen.

Stopp: Die Rede war vom Stück im Stück. Erinnert sei an Rainer, der diese verzwickte Geschichte auf die Bühne bringen will. Nur haben sich leider die Schauspieler verspätet. Und weil das Sasse-Publikum in der Regel für jeden Spaß zu haben ist, werden wohl in den nächsten Wochenenden je zwei Zuschauer auf der Bühne aushelfen müssen. Am Premierenabend waren dies Erwin und Elfriede F. aus Heidenheim.

Unterstützung bekam das Ehepaar von Angela Brandt, die als Briefträgerin, Sekretärin, Blondchen, Hauswartsfrau, Reporterin und werdende Mama glänzte und Beachtliches leistete.

In nichts nach stand ihr der spielerfahrene Robert Makowitzki, der mit seiner Parodie auf Marcel Reich-Ranitzki und dessen Erklärung, was es mit dem Liebesleben des kleinen Borstenwurms auf sich hat, vollends überzeugte.

Allen Spielern kann nie nachlassende Bühnenpräsenz attestiert werden, was vor allem für Christoph Kicherer (herrlich im Rollenwechsel) zutrifft. Punktgenau Gaby Rieck, in ihrer kleinen Rolle als Inspizientin.

Viele Liebe zum Detail hat Christina Kling bei der Auswahl der Kostüme walten lassen. Mit Michael Waibel hat die Regisseurin die Gratwanderung zwischen Klamauk und Komödie vortrefflich gemeistert und auf mannigfaltigen Wortwitz gesetzt.

Zurecht nennen die Autoren das Stück nicht etwa eine Komödie, vielmehr „Klamödie“. Die ist bis 18. Dezember an jedem Wochenende im Sasse-Theater zu sehen.

Siglinde Broich-Bernt

 

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