Immer wieder Samstags (Heidenheimer Zeitung / HNP – 16.03.2010)

Er darf wieder ins Schlafzimmer

Sasse-Premiere mit der nicht unkritischen Schwaben-Komödie „Immer wieder samstags“

„Wenn alle Stricke reißen, häng\' ich mich auf“: Das ist doch eigentlich feinster englischer Humor. Aber solch schwarzgehäkelter Jokus ist die ganz rare Ausnahme im Humor-Arsenal des Sasse-Frühlingsstücks.

Gespielt wird eine Komödie in vier Akten, verfasst von Eva Hatzelmann und Werner Zeussel, ins Schwäbische transferiert von Monika Hirschle. Ein Schwank also, und dessen Humor ist, in der Regel und so auch hier, von einer deutlich gröberen Strickart.

Da wird dann schon eher einmal von einem „netten Scheißer“ geredet, von einem „schlappen Bronzer“ oder einer Mama, die „jung, sexy und tierisch heiß“ ist.

Es geht also, in einem zweistündigen Tableau der Scherze und eher halbgaren Weisheiten, um das Verhältnis von Mann und Frau, um Abstoßung und letztlich doch unumwerfbar grundsätzliche Anziehung.

Da wird über Männer zwar geschimpft: „Man sollte den einen nehmen, um den anderen damit totzuschlagen“. Aber trotzdem landet der traurige, von seiner Frau scheinbar gnadenlos verstoßene Mann am Schluss, man ahnt es rechtzeitig, im Ehebett der Ex. Alles ist gut – und der Fehltritt inniglich verziehen. So sehen Schwänke aus, da stranguliert sich eher selten einer mit einem reißenden Strick.

Schwänke haben Tradition bei der Sasse in Schnaitheim, die ja früher gar mal die Unterabteilung „Schwaben-Sasse“ besaß. Und das ist gut so und kommt hervorragend an, wie auch jetzt die Premiere von „Immer wieder samstags“ belegte. Es seien „die Kontraste im Spielprogramm“, schreibt Sasse-Vorsitzender Ulf Koepsel im Vorwort des Programmheftes, die die Sasse beliebt gemacht hätten.

Da hat der alte Fuchs und Neuruheständler natürlich recht; und er, der Meister feinsinnig durchdachter Inszenierungen des Theaterchens, plant ja für den Herbst nichts weniger als den „Evergreen des schwarzen Humors“, die britische Krimi-Komödie „Arsen und Spitzenhäubchen“.

Die samstägliche Premiere, gute Tradition bei der Schnaitheimer Bühne, war ausverkauft. Und auch das gilt eigentlich immer: Die Akteure wissen bestens, wie sie ihr Publikum unterhalten können. Viele Lacher, teils gar interaktive Zwischenrufe, zeugten von der Begeisterung des Publikums.

Und auch diese Tradition sei mit Freude erwähnt: Die Sasse bemüht sich meist, kein schlicht affirmatives Stück zu präsentieren. Hier finden zwei zusammen nach einer bitteren Scheidung, da wird nicht nur Eiapopeia thematisiert. Und es gibt etliche Seitenhiebe beispielsweise über einen ungerechten Wohnungsmarkt. Die Schnaitheimer Inszenierung argumentiert munter wohnungsmarktkritisch; erwähnt wird auch ein Vermieter namens „Gugfah“, der eine 20 Quadratmeter große Wohnung ohne Bedenken an eine sechsköpfige Familie vergibt, zu stattlichem Preis: Die müsse sich halt richtig sortieren.

Aber das ist nicht der Kern von „Immer wieder samstags“: Es geht um drei scheinbar selbstbewußte, selbstständige Frauen gehobenen Alters – die aber ohne Männer doch nicht sein können. Margit (Sabine Reiner in gediegener, angenehm eingängiger Spielweise – übrigens mutig im durchschimmernden „Dessousle“ wie im elefantenhinternschaffenden grauen Baumwoll-Jogging) ist eine berufstätige Frau von knapp 50, die nach einem Fehltritt ihres Mannes sich von diesem scheiden lässt und ihn durchaus mit einer gewissen Rücksichtslosigkeit aus der Wohnung expediert.

Sie ergibt sich nur kurzzeitig ins Schicksal eines männerlosen Daseins - bis sie einen findet, einen „Doktor“ gar, der sie umcirct und der sich fast mittellos Glaubenden gar einen Scheck abluchst.

Ihr zur Seite steht ihre vermögende Cousine „Tante Joschi“ (herrlich in ihrer scheinbaren Aufdringlichkeit: Rita Ruoff), ihre Vermieterin, die aber auch alle drei Jahre die Miete erhöht. Auch sie, die Sinn sucht in sinnlosen Billigreisen, will aber doch eigentlich auch nichts lieber als einen knackigen Mann.

Genau so wie Margits Freundin Diana (schön schräg und schrill: Birgit Seitenleder), die auf alle mögliche Weisen versucht, sich insbesondere an vermögende Männer heranzupirschen.
So weit, so männertraum-affin.

Und so ist auch die eigentliche Hauptfigur im Stück ihr zunächst gedemütigter Ex Ernst (Ulrich Bossert, sehr routiniert zerknirscht). Er scheint beizugeben, verlässt die Wohnung, mental eingestimmt fast schon auf drohende Obdachlosigkeit.

Doch er schafft es in der Schlußzene, und man ist nicht wirklich überrascht, wieder im einstigen Ehebett zu landen: The same procedure . . .

Ernst steigert sich hoch mit Präsenten, vom kleinen Kaktus über einen mausgrauen Jogging bis zum Geständnis von Margits Einmaligkeit: Sie war immer die Beste – nein, nicht im Bett, das bleibt angedeutet unausgesprochen, sondern „beim Spätzlesschaben“.

In einem schwäbischen Schwank reicht das, ihm wieder seine frühe Stellung zu verschaffen.

Nicht unwichtig ist Tochter Steffi (sehr präsent: Eva Marina Wunsch) und ihr „Volltreffer“ setzender Freund Tommi (Benjamin Hessenauer, durchaus selbstironisch – Steffi: „Ich steh\' nicht auf Bierbäuche“; er: „Schon zu spät“).

Und schließlich ist da noch Dr. Othello, den alle „Telli“ nennen, der Heiratsschwindler (gepflegtes Spiel: Peter Hessenauer). Ein siebenköpfiges Ensemble also, das die zweistündige Komödie sauber steht.

Inszeniert hat Mutter Ingrid und Tochter Daniela Bossert, die in ihrem Vorwort von einer anregenden, fünfmonatigen Probezeit berichten – die im Ergebnis, wie die Premiere jetzt bewies, ja erfolgreich verlaufen ist. Kleine Unsicherheiten bei der Erstaufführung mindern den Spaß an der Arbeit der vielen beteiligten Amateure kein bisschen. Sie haben es auch vermieden, dem komödiantischen Affen nur immer Zucker zu geben – es gibt auch stillere, einfühlsame, sporadisch gar berührende Momente.

Im Vordergrund aber steht die Unterhaltung. Und dass die am letzten Samstag mit „Immer wieder Samstags“ bestens ankam, belegte die positive Reaktion des Publikums. Das Stück ist jetzt noch an acht weiteren Samstagen (plus ebenso vielen Sonntagen) zu sehen.

Manfred Allenhöfer

 

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