Wir pfeifen auf den Gurkenkönig (Heidenheimer Zeitung – 17.11.2009)

Gurke royal mit Witz

Der „Gurkenkönig“ neu im Sasse-Theater


Stell Dir vor, Du sitzt beim Abendbrot und eine Gurke spricht zu Dir. Aber nicht eine gewöhnliche Gurke, sondern der Gurkenkönig. Genau das passiert der Familie Hogelmann in dem Familienstück „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“, das am Samstag im Sasse-Theater Schnaitheim Premiere feierte. Der Gurkenkönig machte in den 1970er- Jahren mit dem Kinderbuch von Christine Nöstlinger und auch im Fernsehen Furore, die Inszenierung des Stückes heute zeigt also insbesondere auch die gesellschaftlichen Veränderungen, die seither eingetreten sind.

Heutzutage müsste sich beispielsweise Mama Hogelmann (Marion Hessenauer spielt souverän die brave Hausfrau) natürlich nicht mehr fürchten, ihrem Gatten von ihren Bewerbungen um einen Arbeitsplatz zu erzählen. Und Papa Hogelmann müsste sich nicht mehr allein mit allen finanziellen Nöten herumschlagen. Im Buch sind dies Probleme, die der Gurkenkönig allein durch sein Auftauchen und sein manipulierende Art der Lösung nahe bringt, so dass letztlich wohl auf ihn gepfiffen werden kann.


Das Regieteam Ulf Koepsel und Gabi Del-Becaro wusste wohl, dass diese Moral der Geschichte heute nicht mehr zieht und setzt deshalb in der Inszenierung ganz auf die berühmten drei Ks: Kostüme, Klamauk und Kinder. Es ist aber auch allerliebst, wenn zum Schluss der Geschichte die vielen kleinen und großen Kinder beim Straßenfest ihr Liedchen trällern, ihre Kunststückchen vollbringen und ein drolliges Schlussbild abgeben. Und auch die drei Hogelmann-Kinder Wolfgang (Jan-Felix Czichon), Martina (Isabell Erfort) und Niki (Christian Erfort) wissen durch frisches und natürliches Spiel zu begeistern, das allein schon die Aufführung sehenswert macht. Christoph Kicherer ist sich nicht zu schade, in der Rolle des Papa Hogelmann den Trottel der Familie zu geben, und Uwe Weinrich ist als Opa Hogelmann der ruhende Pol der Familie, der mit seinem trockenem Humor so manche Situation rettet. Und der Gurkenkönig selbst ist sicherlich die dankbarste Rolle im Stück: Dietmar Schulz spielt die royale Gurke mit Witz und der gebotenen Hinterhältigkeit, versteht es doch der entmachtete Monarch glänzend, andere für seine Zwecke zu benutzen, was ihm besonders bei Papa Hogelmann gut gelingt, denn der hat bereits ein Auge auf die vermeintlich gefüllte Gurkenschatzkammer geworfen.

Prachtvoll ist des Königs Kostüm, wirr und damit sehr komisch seine Sprache – schnell ist der Liebling besonders des kleinen Publikums gefunden. Nicht unerwähnt bleiben darf aber auch Regine Czichon, die eine herrlich abgebrühte, nur an Schlagzeilen interessierte Reporterin spielt und damit hundertprozentig überzeugt. Und dann sind da noch all die kleinen Treppeliden, das Gurkenvolk, das seinen König mittels Putsch entmachtet hat. Sie wuseln in ihren putzigen Gurkenkostümen über die Bühne.


Das ist sicher das größte Plus dieser Inszenierung: so viele Kinder aller Altersstufen auf die Bühne zu bringen, sie mit Spaß bei der Stange zu halten sodass sie mit Feuereifer in ihrer Rolle aufgehen.Und es sind auch sicherlich die Kinder, die die größte Freude an diesem Familienstück haben werden.

Marita Kasischke

 

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