Tom, Dick und Harry (Heidenheimer Zeitung – 31.03.2009)

Adoptieren will gelernt sein

„Tom, Dick und Harry“ machen viel Spaß auf der Bühne des Sasse-Theaters

 

Tja, manche Tage fangen so richtig ruhig an, es scheint alles in den richtigen Bahnen zu laufen. Genauso wie bei dem Ehepaar Tom und Linda. Obwohl es doch diesmal ein besonderer Tag ist, denn die beiden haben sich entschlossen, ein Baby zu adoptieren, und da steht an diesem Tag der Besuch von Frau Potter an, der Dame von der Adoptionsgesellschaft, welche überprüfen will, ob denn auch alles in Ordnung ist bei dem jungen Paar.

 

Alles in Ordnung?

 

Tja, eigentlich kein Problem, beide sind vorbereitet, bestens mit der Kindererziehung vertraut, und wo sollte es da Probleme geben? Aber gibt es da nicht noch die beiden Brüder von Tom, die innerhalb des Hauses so etwas wie den nicht ganz so ruhigen Pol darstellen und sagen wir mal – ein wenig eigenartig sind.

 

Und schon gewinnt die Komödie „Tom, Dick und Harry“ von Ray und Michael Cooney auf der kleinen, aber weiterhin sehr feinen Bühne des Sasse Theaters an Tempo. Und die Sasse-Macher haben mal wieder, was die Stückauswahl betrifft, ein feines Händchen bewiesen. Actionreich, turbulent: Für die zahlreichen Premierenbesucher ging ein richtig schönes Juwelchen über die Bühne. Quasi ein kleiner Vorgeschmack auf den Frühling, der richtig gute Laune machte.

 

Denn Tom und Linda können sich nur schwer den mitunter recht skurrilen Ideen der beiden anderen Brüder erwehren. Klar, die meinen es nicht böse, auch wenn vor der Tür plötzlich ein prall mit Schmuggelware beladener Transporter steht, auch wenn der Krankenhausarbeiter Harry eine ganz spezielle Idee zur Kaufpreissenkung des Hauses entwickelt. Und warum stehen plötzlich überall Müllsäcke mit menschlichen Körperüberresten herum?

 

„Tom, Dick und Harry“ spielt mit allen Versatzteilen des schnellen, nicht sonderlich intellektuellen, aber auf den Punkt kommenden Boulevardtheaters. Wer klingelt jetzt schon wieder an der Tür? Wie viel Flunkereien kann man erfinden, um sich aus schwierigen Situationen zu befreien? Jede Bühnentür wird benutzt, und zum Schluss regelt sich nach fast aussichtslos erscheinenden Situationen doch alles wieder wie von selbst.

Eine Energieleistung auch der Schauspieler. Einzeln hervorzuheben wäre fast ungerecht, scheint das Ensemble ja auch über die letzten Jahren und die aufgeführten Stücke blendend aufeinander eingespielt. Und das ist ja gerade bei dieser leichten Kost ein ganz großes Plus. Da kann man als Schauspieler nicht lange die Rolle anlegen, nein, dem actionreichen Fluss des Stückes folgend muss jede Pointe sitzen. Immerhin wartet vor der nächsten Tür schon wieder ein Überraschungsgast.

 

So hier zum Beispiel zwei Flüchtlinge, der deutschen Sprache nicht unbedingt mächtig, aber Großvater und Enkelin machen mit ihrer Anwesenheit im Hause die Sache auch nicht gerade einfacher. Muss noch der herum schnüffelnde Polizist (Michael Waibel) erwähnt werden oder der bewaffnete skrupellose Passhändler? Alle Akteure kamen schnell ins schwitzen, die Zuschauer eher wegen den Lachern, derer es nicht zu wenige gab.

Robert Makowitzki als kämpfender Möchtegern-Familienvater zeigte eine wahre Energieleistung, Sabine Reiner als unwissende Ehefrau konnte einem richtig leid tun und dem standen Manuel Meiswinkel als leicht kriminöser Bruder Dick und der altbekannte Stefan Köck als debiler Bruder Harry in nichts nach. Nicht zu vergessen natürlich das Flüchtlingspärchen Anastasija Roon als zuckersüße Katarina und Armin Döbel gab deren alkoholbeeinflussten Opa mit Trompete absolut hinreißend. Schönes Trompetensolo aus dem Sofainneren.

 

Gut, zum Schluss des turbulenten Abends hatte sich die Welt wieder eingerenkt, alles richtete sich zum Besten und im Hause Kerwood herrschte die gleiche gute Laune wie im Theater der Sasse-Akteure, die mit diesem Stück ein richtiges Schmankerl auf die hiesigen Bühnen gezaubert haben.

 

Uwe Bernard

 

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