Tom, Dick und Harry (Heidenheimer Neue Presse – 31.03.2009)

Aberwitzige Handlungshaken

Mit „Tom, Dick und Harry“ spielen die Sasse mit Witz und Bravour eine abge- und oftmals überdrehte angelsächsische Komödie

 

Unglaublich konstruiert und unglaublich rasant – das ist das neue Stück der Sasse. „Tom, Dick & Harry“ heißt das schlicht; aber es ist zwei Stunden manchmal abge- und manchmal überdrehte Unterhaltungskanonade. Der Witz resultiert v.a. aus einer absurden, sich gelegentlich überschlagenden Situations-Entwicklung, für die die Hauptfigur gegenüber unliebsamen Gästen immer neue, unglaubliche Erklärungen finden muss. Unterhaltung pur – geboten von einem spielfreudigem Ensemble, von dem vier Akteure besonders gefielen.

 

Man kann das aberwitzige Geschehen nicht wiedergeben, zu komplex rollt die raffiniert konstruierte Handlungs-Maschine von Ray und Michael Cooney ab: Da ist ein rechtschaffener Mann, der ein Baby adoptieren will und den Besuch der gestrengen Amtstante erwartet. Doch erst taucht der erste Bruder auf, mit geschmuggelter Konterbande: Zigaretten, Brandy – und ein Asylantenduo aus dem Kosovo. Dann der zweite Bruder – mit Leichenteilen aus der Pathologie, die er im Garten vergraben will. Das ist schon eine haarsträubende Ausgangssituation – doch die Cooneys schaffen es, das Geschehen immer um eine überraschende, oft verblüffende Drehung weiterzuführen.

 

Das ist vom Inhaltlichen her ohne weiteren Belang; es soll nur unterhalten – und das tut es auch. Und man ertappt sich mindestens beim Schmunzeln und hat seine Freude an der so professionell gestrickten Textur der Komödie, dass man man manche inhaltliche Untiefe gerne verzeiht.

 

Zumal die Sasse eine Titeltrias aufbietet, die schlicht klasse ist und durchgehend Spaß mit mimischem Können verbindet: Allen voran ein, wenn's drauf ankommt, bestechender Robert Makowitzki als Tom; ihm zur Seite seine „Brüder“ Stefan Köck und Manuel Meiswinkel. Das ungleiche Trio treibt und redet das Geschehen voran, ebenso unerbittlich wie lachen machend. Kaum nach steht ihnen Armin Dömel als Kosovoopa, mal taumelnd, mal trompetend – eigentlich der komischste Darsteller in der gut geölten Inszenierung von Christina Kling und Matthias Zimmermann.

 

Der tritt auch einmal selber auf, in einer kurzen Rolle als dunkler Asylantenschieber; außerdem wirken mit in z.T. ansehnlicher Leistung Sabine Reiner, Michael Waibel, Anastasija Roon und Birgit Seidenleder.

 

Die typisch angelsächsische Tempokomödie ist eine Entdeckung und für eine Amateurbühne durchaus ein Risiko. Aber das Schnaitheimer Theaterchen hat mal wieder mit großer Sorgfalt das Komische gepflegt. Das Leichte ist nicht leicht zu spielen – deshalb Respekt vor diesem gut durchdacht inszenierten, wirkungsvoll kontrollierten Chaos!

 

Manfred Allenhöfer

 

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