Sommernachtstraum (Heidenheimer Zeitung – 02.12.2008)

Gattin liebt Esel

Die reine Spielfreude: „Sommernachtstraum“ für die ganze Familie im Sasse-Theater

 

Shakespeares „Sommernachtstraum“ – für jeden Theatermacher eine dankenswerte Aufgabe. Wimmelt es in des Dichters populärster Komödie doch nur so von Feen, Geistern, Kobolden, finsteren Gesellen und Lichtgestalten, Königen und Prinzessinnen, von Liebeslust und Liebesleid ganz zu schweigen. Selbst mitten im Winter lässt dasStück auf gute Laune hoffen.

 

Und diese Hoffnung wird durch die aktuelle Inszenierung des Schnaitheimer Sasse-Theaters nicht enttäuscht. Stefan Schroeder hat das Stück kindgerecht bearbeitet, die Sprache für die kleinen Zuschauer ins Umgangsdeutsch übersetzt und die Fabel auf ihren Handlungskern reduziert. Erzählt wird diese jetzt hauptsächlich aus der Perspektive von Puck (Lisa-Maria Czichon), aus dem in Harry-Potter-Zeiten ein „Koboldanfängerschüler unterer Stufe“ geworden ist.

 

Sieht man von dieser Konzession an den Zeitgeist ab, ist der Waldgeist mit der Liebesblume immer noch ein Schussel geblieben, der mit seinen unüberlegten Handlungen die Irrungen und Wirrungen der Liebespaare in Gang hält, die alle in der Mitsommernacht in einem undurchdringlichen Waldstück aufeinandertreffen, ums einmal ganz sachlich auszudrücken.

 

Was zugegebenermaßen irreführend ist, denn die Inszenierung mit Kindern für Kinder (einschließlich erwachsenem Begleitpersonal) setzt gerade schon vom Bühnenbild und den phantasievollen Kostümen her ganz auf die Verzauberung der Zuschauer. Dass dabei auch noch Helena (Janine Salm) Demetrius (Marcel Weinrich) liebt, der Hermia (Isabell Erfort) liebt, die aber Lysander (Jan-Felix Czichon) liebt, der aber, nachdem er von Puck im Schlaf vom Staub der Liebesblume in Mitleidenschaft gezogen ward, Helena liebt, in die sich auf die gleiche Weise bearbeitet soeben auch Demetrius verliebt hat, ist dabei fast schon Nebensache. Jedenfalls wenn man bedenkt, dass der König der Waldgeister (Ulf Koepsel) da ganz andere Sorgen hat, weil sich seine Gattin (Gaby Del-Becaro) soeben in einen Esel verliebt hat (Volker Schnabel).

 

Man sieht, es ist eine Menge geboten. Und dabei ist das Wesentliche bislang noch unerwähnt geblieben, nämlich die Spielfreude, die alle Akteure auf der Bühne entwickeln und von der sich das Publikum gerne anstecken lässt. Vom alten „Knacker“ bis zur jüngsten Waldfee findet hier ein generationsübergreifender Familienspaß statt, an dem alle Akteure und Zuschauer ihre Freude haben. Dass dabei in den kleinen Gästen auch noch ein Interesse für Shakespeares tolldreiste Geschichten geweckt wird, ist ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt, der sich vielleicht einmal sogar in Schule und Studium positiv auswirken kann, jedenfalls noch niemandem zum Schaden gereicht hat.

 

Holger Scheerer

 

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