Die Nächsten, Liebe? (Heidenheimer Neue Presse – 28.10.2008)

Wenn die Pfarrersfrau mit dem Manager

Unter Regie von Ingrid und Ulrich Bossert feierte die Komödie „Die Nächsten, Liebe?" Premiere im Schnaitheimer Sasse-Theater

„Nur für Erwachsene" sollte es sein, Joan Shirleys Stück „Die Nächsten, Liebe?", und bei der Premiere in der Schnaitheimer Sasse wurde auch bald klar, warum: Mit derbem Humor und viel versteckter und nicht ganz so subtil dargebotener Erotik wurden die überaus zahlreichen Gäste gut unterhalten - selbst wenn das Stück nicht unbedingt anspruchsvoll daherkam.

Ein etwas verbohrter Pfarrer, seine aufmüpfige Frau, die gerne „scharfe Geschichten" schreibt, ein von Geistern heimgesuchter Nachtclub-Besitzer und die neugierige und ständig störende Nachbarin: In der Tat sind es exzentrische Gesellen, die uns da in „Die Nächsten, Liebe?" begegnen. Und doch mögen sie uns irgendwie verdächtig bekannt vorkommen.

Pfarrer Robert Anders, gespielt von Dietmar Schulz (der sich ja auch erfolgreich als Dichter von Liebeslyrik versucht), hat Geldsorgen, über die sich hauptsächlich seine Ehefrau Betty (derbe-charmant von Erika Welches) den Kopf zerbricht.

Als der früher so lebenslustige, heute aber eher biedere Ehemann für eine Tagung vier Wochen lang außer Haus ist, beschließt Betty zusammen mit zwei Freundinnen, einer amerikanischen Studentin und der Hostess Selina das eigene Zuhause in ein Edelbordell umzufunktionieren.

Und schon nehmen die üblichen Missverständnisse und Verwechslungen ihren Lauf. Da werden aus Versehen Sexspielzeuge für den Flohmarkt der Pfadfinder bereitgestellt und von der nervenden Nachbarin Berta (herrlich schwäbisch: Rita Ruoff) abgeholt und die Luftpumpe wird als „Luststeigerungsmittelchen" zweckentfremdet.

Die eigentlich anrührenden Geschichten hinter den „Prostituierten auf Zeit" geraten dabei schnell in den Hintergrund: Bäuerin Kathi (Birgit Seidenleder) möchte ihrer Tochter endlich den Wunsch nach einem Cello erfüllen, Ladenbesitzerin Babsi (Heidi Pfeffer) versucht dem Sohnemann die bestmögliche Schulbildung zu bieten und die junge Studentin Cindy (Laura Becker) kämpft für ihr Kind in Amerika.

Weniger ehrenhaft ist da ausgerechnet die Motivation von Pfarrersgattin Betty: „Ich will nicht alles, nur reich sein!" Warum auch nicht? Und so nimmt das Geschäft im Edelbordell seinen Lauf. Die amerikanischen Manager strömen nur so in das Haus des nichtsahnenden Pfarrers und die Gemeinschaftskasse der Hausfrauendirnen klingelt. Zwischen Tiger-Handschellen und Federboas bahnt sich dann auch zu allem Übel noch eine Romanze zwischen Nachtclub-Besitzer Joe (brillant gespielt von Robert Makowitzki) und der naiven Cindy an.

Und so wurde es am Samstag während der zweistündigen Spielzeit zu keinem Moment langweilig, was nicht nur an der amüsanten Geschichte, sondern vor allem auch an den komödiantischen Leistungen der Darsteller (speziell die von Erika Welches und Joe Schreiner) lag.

Und so ist „Die Nächsten, Liebe?", wenn auch nicht unbedingt anspruchsvoll oder überraschend, ein herrlich leichter Spaß. Schließlich mag auch aus diesem Stück der geneigte Theatergänger seine Lehre ziehen - und sei es nur die Erkenntnis, das nicht alle Pfarrersfrauen so bieder und gottesfürchtig sind wie man meinen könnte.

Von Carolin Wöhrle

 

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