Die Nächsten, Liebe? (Schwäbische Post – 29.10.2008)

Herzhaftes Futter für die Fantasie

Joan Shirleys Komödie „Die Nächsten, Liebe?" hatte am Sasse-Theater Heidenheim Premiere

Es ist ein Kreuz mit dem Geld: Immer ist es gerade weg, wenn man es am dringendsten braucht. In „Die Nächsten, Liebe?" findet die pralle Weiblichkeit einen Weg, viel Geld auf augenscheinlich vergnügliche Weise zu verdienen. Jetzt hatte das Stück im Sasse-Theater Heidenheim Premiere.


Dem Pfarrer Dietmar Schulz (Robert Anders) mag der Kaffee nicht mehr schmecken: Um die schmale Haushaltskasse zu füllen, reüssiert seine Frau Bettina (Erika Welches) als Autorin. Pornos, sagt er; erotische Literatur, sagt sie. Als der Geistliche für vier Wochen verreist, erscheint zunächst der etwas zwielichtige Joe (Robert Makowitzki) und dann eine Idee: Bettina und ihre Freundinnen könnten binnen kurzem viel Geld verdienen, wenn sie das Pfarrhaus nur in ein Edel-Bordell verwandelten. Die handfesten schwäbischen Hausfrauen halten sich nicht lange mit Grübeln auf sondern machen sich an die Umsetzung, schließlich sind Babsi (Heidi Pfeffer), die an ihren Gummistiefeln hängende Fünffachmutter Kathi (Birgit Seidenleder) und die Teenager-Touristin Cindy (Laura Becker) noch ein gutes Stück von verruchten Verführerinnen entfernt. Das freilich ändert die erfahrene Hostess Selina (Sabine Reiner) rasch. Bleibt nur noch die robuste Kirchenpflegerin Berta Bäuchle (Rita Ruoff), die ein klein wenig getäuscht werden muss.

„Die Nächsten, Liebe?" ist nicht gerade eine subtile Komödie. Vielmehr greift das Stück von Joan Shirley ins pralle Leben, und es ist ein großes Vergnügen zu sehen, wie die Sasse-Damen, allen voran Erika Welches, nach und nach nicht nur die biederen Kleider abstreifen, sondern auch alle (gespielten) Hemmungen. Dabei ist es ein Glück, dass das Stück ohne Verklemmtheiten auskommt und dennoch keine plumpe Sex-Klamotte wird. Neben Welches' gekonnt lakonischem Spiel ist nicht zuletzt die Verwandlung der Kathi von der Bäuerin („Egal, ob überm Fass oder im Heu, ich werd' immer schwanger") zur Erotik-Fachkraft besonders sehenswert, gerade weil im besten erotischen Sinne aber auch alles der Phantasie des Betrachters überlassen bleibt ...

 

In der zweiten Hälfte könnte zwar der Text an einigen Stellen noch etwas pointierter sein, das aber macht das gesamte Ensemble mit viel Einsatz wieder wett, sodass „Die Nächsten, Liebe?" knapp zwei Stunden lang absolut kurzweilige und streckenweise fabelhafte Unterhaltung bietet.

Jens Eber

 

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