Peterchens Mondfahrt (Heidenheimer Zeitung – 20. November 2007)

Wer hat Angst vorm Mondmann?

„Peterchens Mondfahrt" hatte Premiere: Das diesjährige Kinderstück ist ein traumhaftes Vergnügen

Für Kinder ein atemberaubender Traum, für Erwachsene ein bezauberndes Vergnügen: So zeigte sich „Peterchens Mondfahrt" in der Inszenierung von Erika Welches, Christina Kling und Daniela Bossert am Sonntagnachmittag im restlos ausverkauften Sasse-Theater.

Neunzehn Kinder im Ensemble verwandeln die kleine Bühne in ein märchenhaftes Abenteuerland, in dem das Geschwisterpaar Peterchen und Anneliese (frisch und munter gespielt von den Geschwistern Jan-Felix und Lisa-Maria Czichon) dank des Maikäfers Sumsemann (Janine Salm) ihre abenteuerliche Reise zum Mond antreten.

Dort muss Sumsemann sein verloren gegangenes sechstes Beinchen suchen, doch zuvor muss Station beim Sandmann (Marcel Weinrich) gemacht und die Nachtfee (Ebony Schneeweiß) besucht werden. Dort warten nämlich schon die Naturgeister, die natürlich sofort ihre Hilfe anbieten, als sie hören, welch brave Kinder Peterchen und Anneliese sind. Die Regie hat fein berücksichtigt, dass vom Donnermann bis zu den kleinsten Sternchen alle Kinder ihren ganz eigenen Auftritt haben und damit alle einmal mit Applaus bedacht werden können.

Zu den 19 Kindern jedoch gesellt sich noch ein Mann dazu. Robert Makowitzki gibt den Mondmann, der erst noch überwunden sein will. Und er spielt seine Rolle gar so zum Fürchten echt, dass sich mancher kleine Zuschauer in die Arme seiner Mutter flüchtet. Die Erwachsenen freilich können sich an der Erscheinung des Mondmannes ergötzen, der wie eine Mischung aus Zillertaler Schürzenjäger und Catweazle daherkommt und seine Sache so schaurig gut macht.

Überhaupt die Kostüme: Da hat das Sasse-Theater aus dem Vollen geschöpft und wahre Traumgebilde geschaffen. Der Sandmann sieht aus wie der große Zauberer Merlin, Sonne (Vanessa Müller) und Nachtfee schimmern von Kopf bis Fuß, der Eismax (Lena Klein) mit seinem entzückenden Berliner Militärjargon marschiert zum „Radetzky-Marsch" in Galauniform, natürlich in Eisblau, und dazu kommen all die anderen prächtig ausgestatteten Naturgeister Donnermann (Rauf Yacubu), Windliese (Wasila Yacubu) und Blitzhexe (Alina Salm).

Geradezu profan dagegen und gerade deshalb riesig komisch wirkt der Regenfritz (Jeremy Salm) in seinem Friesennerz mit Stiefeln und an Krücken. Er darf seinen Regen mit der Wasserpistole herstellen, und das ist einer der witzigsten Momente der Inszenierung, die an solchen nicht arm ist. Die traumhafte Stimmung, die ein solches nächtliches Abenteuer erfordert, die gibt es obendrein noch dazu, so dass das Stündchen mit „Peterchens Mondfahrt" wie im Nu vergeht und Groß und Klein ihre wahre Freude haben.

Da ist alles drin, was auch die kleinen Zuschauer am Märchen schätzen, eben auch das Böse. Deshalb sei allen künftigen kleinen Zuschauern hier schon verraten: Nein, der Mondmann frisst die Kinder natürlich nicht. Natürlich hat der wunderschöne Traum ein gutes Ende. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann fliegen Sumsemann und Peterchen noch heute.

Marita Kasischke

 

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